Ursprung und Geschichte der Sammlung
Die The Mesdag Collection befindet sich in Den Haag, Niederlande. Sie wurde von dem Künstler Hendrik Willem Mesdag und seiner Ehefrau Sientje Mesdag-van Houten, die ebenfalls als Künstlerin tätig war, zusammengestellt. Ihre gemeinsame Leidenschaft für die Kunst führte zur Akkumulation einer vielfältigen Auswahl an Gemälden, Zeichnungen und angewandten Künsten. Hendrik Willem Mesdag war dabei ein Meister der Meereslandschaften und ein bedeutendes Mitglied der Haag School.
Das Ehepaar richtete die Sammlung in einem Gebäude ein, das unmittelbar neben ihrem eigenen Heim errichtet wurde. Im Jahr 1903 schenkte Mesdag die gesamte Sammlung dem niederländischen Staat. Dieser großzügige Akt sicherte den Erhalt der Werke für die Öffentlichkeit und ermöglichte es kommenden Generationen, diese Schätze zu bewundern. Seit 1990 wird die The Mesdag Collection als Teil der Van Gogh Museum Stiftung verwaltet.
Große Sammlungen und künstlerische Bewegungen
Die Sammlung beherbergt eine der größten und bedeutendsten Zusammenstellungen französischer Werke der Barbizon-Schule außerhalb Frankreichs. Diese Gemälde, ergänzt durch eine Vielzahl von Ölstudien und Skizzen, spiegeln den tiefgreifenden Einfluss dieser Bewegung auf die niederländische Landschaftstradition wider. Darüber hinaus bewahrt das Museum eine umfangreiche Auswahl an Werken der Haagener Schule, darunter Aquarelle und Zeichnungen. Den Künstlern der Haagener Schule war ein realistischer Ansatz zutiefst eigen; mit breiten Pinselstrichen fingen sie ihre Motive ein und widmeten sich dabei vornehmlich der Darstellung der Natur statt städtischer Panoramen. Ihr Schaffen konzentriert sich stets auf das Intime und Authentische, fernab von jeglicher Oberflächlichkeit.
Jenseits der europäischen Malerei umfasst die Sammlung zudem japanische Kunstgewerbe und Keramiken. Diese Faszination für den Fernen Osten manifestiert sich in einer Vielzahl kostbarer Objekte, wie etwa zwei Vasen von Theodoor Colenbrander, die von einer japanischen Sake-Flasche inspiriert wurden. Solche Exponate verdeutlichen eindrucksvoll, wie die Ästhetik jener Epoche mit dem lokalen Kunsthandwerk in einen lebendigen Dialog trat.
Meisterwerke und bemerkenswerte Werke
Die Sammlung beherbergt bedeutende Werke mehrerer französischer Künstler der Barbizon-Schule, darunter Corot, Daubigny, Diaz, Courbet, Breton und Jacque sowie Dupré. Diese Gemälde sind ein tiefgründiges Zeugnis für die Hingabe der Bewegung an die Natur und die unberührte Landschaft. Hendrik Willem Mesdag bereicherte die Sammlung zudem mit zahlreichen eigenen Schöpfungen, wobei seine Meereslandschaften und die eindringlichen Darstellungen der Fischer in Scheveningen eine besondere Stellung einnehmen. Seine 360-Grad-Panoramalandschaft von Scheveningen, die im Panorama Mesdag zu bewundern ist, eröffnet eine monumentale Perspektive auf das Küstenleben, das er so intensiv beobachtete.
Jenseits der klassischen Ölmalerei offenbart die Sammlung eine faszinierende Verbindung zur angewandten Kunst, die maßgeblich von der Ästhetik Japans geprägt wurde. Diese Begeisterung für den Fernen Osten manifestiert sich eindrucksvoll in zwei von Theo Colenbrander entworfenen Vasen, deren Formgebung von einer japanischen Sake-Flasche inspiriert wurde. Solche Objekte verdeutlichen auf poetische Weise das Zusammenspiel von europäischer Handwerkskunst und fernöstlicher Formsprache, welches diese Ära so charakteristisch machte.
- Hängendes Reh, um 1858 - Gustave Courbet
- Am See, 1861 - Gustave Courbet
- Stillleben, 1863 - Jean-François Millet
- Mondlicht, 1875 - Charles-François Daubigny
- Der Chorknabe, 1872 - Antonio Mancini
- Porträt von Sientje Mesdag-van Houten, 1906 - Jozef Israëls
Ausstellungen und Sonderpräsentationen
Das Museum bereichert sein Programm durch vielfältige thematische Ausstellungen, die jeweils ganz besondere Facetten der Sammlung beleuchten. So entführt die Schau „Whistler. Loving the Netherlands“ die Betrachter in die Welt von James McNeill Whistler, mit einer Auswahl an Radierungen, Aquarellen und kleinformatigen Gemälden, die er während seines Aufenthalts in den Niederlanden schuf. Im Museum Panorama Mesdag hingegen präsentiert die Ausstellung „Trendsetter des 19. Jahrhunderts“ kostbare Werke aus der Sammlung, ergänzt durch besondere Neuerwerbungen sowie Leihgaben aus Privatbesitz.
Ein faszinierendes Kapitel der Kunstgeschichte wird in der Ausstellung Mesdag & Japan: Collecting the Far East aufgedeckt, die den tiefgreifenden Einfluss der japanischen Kunst untersucht. Im Zentrum dieser Präsentation steht die Sammlung japanischer dekorativer Kunst und Keramik, die Hendrik Willem Mesdag mit großer Leidenschaft zusammengetragen hat – von prachtvollen Samurai-Schwertern über Bronzevazen bis hin zu feinen Schalen. Die Ausstellung wirft ein Schlaglicht darauf, wie die Faszination für das ferne Japan im 19. Jahrhundert die künstlerische Landschaft Den Haags nachhaltig geprägt hat.
Zu den besonderen Glanzpunkten der aktuellen Ausstellungen gehört zudem das Gemälde „Egyptian Indigo Dyers“ von John Singer Sargent. Dieses Werk nimmt eine herausragende Stellung ein, da es das einzige Gemälde des Künstlers ist, das sich in einer öffentlichen niederländischen Sammlung befindet. Nach einer sorgfältigen technischen Untersuchung und aufwendigen Restaurationsarbeiten ist es nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und lädt zur Betrachtung ein.
