Stil und Technik
Rudi Stanzel bewegt sich in einer zurückhaltenden visuellen Sprache und konzentriert seine künstlerische Praxis auf minimalistische, abstrakte Kompositionen. Seine Palette ist streng kontrolliert und beschränkt sich oft auf Schwarz, Weiß und Grau. Durch diese Ökonomie der Farbe erforscht er das Spannungsfeld zwischen dem Schweren und dem Immaterialen. In seinen Werken nutzt er häufig eine Abfolge von vertikalen und horizontalen Linien, um Raum und Struktur zu definieren. Diese linearen Elemente können so massiv wie Blei oder so flüchtig wie Nebel erscheinen und erzeugen so ein Gefühl des Innehaltens im Moment der Wahrnehmung.
Die physische Beschaffenheit seiner Arbeit wird durch einen experimentellen Umgang mit der Materialität definiert. Er hat die traditionelle Leinwand hinter sich gelassen und verwendet stattdessen dünnes, handgeschöpftes Reispapier, das er mit Acryl und Tusche behandelt, um spezifische tonale Qualitäten zu erzielen. Sein technisches Spektrum umfasst die Verwendung von Graphit und Bitumen sowie haptischere Methoden, wie das Auftragen von Reliefkleber auf transparentem Papier. Diese vielseitige Anwendung verschiedener Medien ermöglicht es ihm, Textur und Licht zu manipulieren und so einfache geometrische Anordnungen in komplexe Studien über Verbundenheit und Vergänglichkeit zu verwandeln.
Bedeutende Auftragsarbeiten und Installationen
Im Jahr 2010 schuf Stanzel die permanente Installation rise/fall, ein von Peter Noever in Auftrag gegebenes Werk. Diese Skulptur wurde eigens für den CAT Contemporary Art Tower in Wien entwickelt. Seither ist sie ein Bestandteil der MAK-Sammlung für zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts.
Seine Präsenz in der Wiener Architekturlandschaft wird zudem durch Installationen im Oberen Belvedere geprägt. Dort übersetzte er die Handschrift des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz in eine Struktur aus Gliederketten. Dieses Werk mit dem Titel Link-Chain-Curtain tritt in einen Dialog mit der Vertikalität des Treppenhauses. Am selben Ort führt die Installation A Pile of Primes eine Sequenz von Primzahlen in die räumliche Ordnung der Sala Terrena ein.
Ausstellungen und Standorte der Werke
Die Reichweite seines Schaffens erstreckt sich über mehrere Kontinente, mit Ausstellungen in Österreich, Deutschland, Frankreich, den USA, Japan, Indien und Irland. Diese internationalen Auftritte spiegeln eine Karriere wider, die über lokale Grenzen hinausgewachsen ist, um ein diverses Publikum zu erreichen. Im Jahr 2007 wurde sein Werk in der Galerie Ulysses in Wien präsentiert.
Seine künstlerische Praxis umfasste zudem bedeutende Residenzzeiten, wie etwa seinen Aufenthalt im Ningbo Museum of Art. Während dieser Zeit entwickelte er spezifische Materialkombinationen, die auf die lokale Umgebung zugeschnitten waren. Seine skulpturale Präsenz ist auch in Wien spürbar, wo die Installation rise/fall im MAK Depot des CAT Contemporary Art Towers untergebracht ist.