Bertalan Pór: Ein Pionier der Ungarischen Moderne
- Geboren: Budapest, Ungarn (4. November 1880)
- Gestorben: Paris, Frankreich (29. August 1964)
- Nationalität: Ungarisch
Frühes Leben und Künstlerische Ausbildung
- Pór wurde in eine jüdische Familie in Budapest geboren. Er zeigte schon früh ein Talent zum Zeichnen.
- Er studierte zunächst an der Schule für Industriedesign in Budapest bei László Gyulay.
- Um seine künstlerische Entwicklung weiter zu fördern, reiste er nach München, Bayern – einem beliebten Ziel ungarischer Künstler, die dort eine Ausbildung suchten.
- In München studierte er bei dem deutschen Künstler Gabriel von Hackl.
- Später besuchte er die Künstlerkolonie Nagybánya (in der Nähe von Baia Mare, Rumänien), einem bedeutenden Zentrum für die Entwicklung der ungarischen Kunst, gegründet von Simon Hollósy und anderen. Diese Kolonie förderte eine lebendige Gemeinschaft von Künstlern und hatte einen starken Einfluss auf die ungarische Kunst des 20. Jahrhunderts.
- Seine weitere Ausbildung führte ihn nach Paris, wo er bei Jean Paul Laurens an der Académie Julian studierte.
Die Gruppe „The Eight“ und Künstlerische Entwicklung
- Pór wurde zu einem bedeutenden Mitglied der Gruppe „The Eight“ (Nyolcak), einer Gemeinschaft ungarischer Maler, die in Budapest Anfang des 20. Jahrhunderts moderne künstlerische Trends förderten.
- Die Gruppe „The Eight“ stellte erstmals gemeinsam 1909 aus und präsentierte ihren radikalen Ansatz in der Kunst. Sie veranstalteten nur drei Kollektiv-Ausstellungen, hatten aber einen bedeutenden Einfluss auf die ungarische Kunstkultur.
- Mitglieder von „The Eight“ waren Károly Kernstok, Róbert Berény, Dezső Czigány, Béla Czóbel, Ödön Márffy, Dezső Orbán und Lajos Tihanyi.
- Die Gruppe führte Fauvismus, Kubismus und Expressionismus nach Ungarn ein und forderte damit traditionelle künstlerische Konventionen heraus.
- Pór, zusammen mit Kernstok, war besonders von diesen Bewegungen beeinflusst und integrierte Elemente sowohl deutscher als auch französischer Theorien in seine Arbeit. Er bewunderte Ferdinand Hodler.
Karriere und Späteres Leben
- Nach seinen Studien in Paris etablierte sich Pór als beliebter Porträtmaler in Ungarn. Er arbeitete außerdem an Fresken.
- Aufgrund des politischen Klimas nach dem Fall der Ungarischen Demokratischen Republik im Jahr 1919 emigrierte Pór nach Tschechoslowakei. Während dieser Zeit konzentrierte er sich auf Landschafts- und Tiermalereien, während er ausgiebig durch Europa und die Sowjetunion reiste.
- Er ließ sich 1938 dauerhaft in Paris nieder und schloss sich einer Gemeinschaft ungarischer Exilanten an.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte er eine aktive Rolle bei der Reorganisation des Ungarischen Hauses in Paris, einem Zentrum für die expatriierte Kunstgemeinschaft.
- Im Jahr 1948 kehrte Pór nach Ungarn zurück und nahm eine Lehrtätigkeit an der Budapester Akademie der Schönen Künste (heute Ungarische Universität der Schönen Künste) an, wo er bis zu seinem Tod weiterhin lehrte und malte.
Vermächtnis und Bedeutung
- Bertalan Pór gilt als eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der modernen ungarischen Kunst, insbesondere durch seine Zugehörigkeit zu „The Eight“.
- Seine Arbeit trug dazu bei, Avantgarde-Bewegungen wie Fauvismus und Kubismus nach Ungarn zu bringen und so den Rahmen künstlerischer Ausdrucksformen im Land zu erweitern.
- Die Ungarische Nationalgalerie beherbergt eines von Pór’s Selbstporträts, und das Museum of Modern Art in New York City besitzt seinen Lithograph „Proletarier der Welt, vereinigt euch!".
- Den hundertjährigen Jubiläen von „The Eight“ haben ihre historische Bedeutung und Pór’s Beitrag zur ungarischen Kunstgeschichte weiter gefestigt.
