Artus Quellinus II: Leben und Vermächtnis
Artus Quellinus II, geboren 1625 in St. Trudena, Belgien, war ein bedeutender Bildhauer der Barockzeit und eine zentrale Figur innerhalb der künstlerischen Familie Quellinus. Sein Vater, Artus Quellinus I., ein hoch angesehener Bildhauer, prägte dessen frühe Ausbildung maßgeblich und vermittelte ihm die Grundlagen eines außergewöhnlichen künstlerischen Schaffens. Zwei Brüder folgten ihm auf diesem Weg – Thomas Quellinus und Cornelis Quellinus –, ebenfalls Künstler mit beeindruckenden Leistungen.Frühes Leben und Ausbildung
Die Familie Quellinus lebte in einer Umgebung, die tief geprägt war von künstlerischem Erbe und Traditionen. Artus II erhielt sein erstes künstlerisches Wissen und seine Fähigkeiten im Atelier seines Vaters in Antwerpen und entwickelte sich schnell zu einem Meister der Bildhauerei unter Anleitung eines erfahrenen Künstlers.
Umzug nach London und künstlerische Entwicklung
Im Jahr 1682 zog Artus Quellinus II nach London, wo er sich einer lebhaften Gemeinschaft flämischer Künstler anschloss, die aufgrund wirtschaftlicher und religiöser Herausforderungen nach England ausgewandert waren. Dieser Umzug wurde vermutlich durch seine Ehefrau Frances Siberechts, Tochter des Antwerpener Malers Jan Siberechts, beeinflusst. Vor seinem unabhängigen Wirken arbeitete er kurzzeitig in den Ateliers von Hugh May und insbesondere Grinling Gibbons – einem führenden englischen Holzschnitzer und Bildhauer – wodurch er einen wichtigen Einfluss erhielt.
Wichtige Einflüsse
- Artus Quellinus I (Vater): Lieferte eine grundlegende Ausbildung in bildhauerischen Techniken und Barockästhetik. Er lehrte ihm die Bedeutung von Dramatik und Ausdruckskraft im Bildhauerwerk.
- Grinling Gibbons: Hatte ihn mit den Feinheiten der englischen Holzschnitzkunst vertraut gemacht und brachte ihm einen neuen Ansatz für die Darstellung natürlicher Formen bei. Gibbons’ Einfluss prägte besonders seine späteren Werke.
- Flämische Barocktradition: Die künstlerische Umgebung von Antwerpen förderte eine hohe Qualität und Raffinesse im Bildhauerwerk und beeinflusste Artus II nachhaltig.
Wichtige Werke und künstlerischer Stil
Artus Quellinus II zeichnete sich durch seine außergewöhnliche technische Fertigkeit und sein tiefes Verständnis für die Gestaltung von religiösen Kunstwerken aus. Er konzentrierte sich hauptsächlich auf Altäre, Grabmonumente und dekorative Elemente für Kirchen und Paläste und schuf beeindruckende Meisterwerke, die bis heute bewundert werden.
- Gott Vater (1682): Eine monumentale Marmorskulptur, die klassische Elemente mit dem dramatischen Ausdruck des Barock verbindet und einen wichtigen Beitrag zur englischen Kunstgeschichte darstellt.
- Visitation (1678): Ein komplex gestaltetes Relief, das eine biblische Szene aufzeigt und Artus II’s Fähigkeit zur Darstellung von Emotionen und Bewegung demonstriert.
- Tomb of Bishop Marius Ambrose Capello: Eine beeindruckende Grabschulptur, die einen hohen Qualitätsstandard verkörpert und ein Beispiel für die Kunst der Barockzeit ist.
Historische Bedeutung
Artus Quellinus II gilt als einer der wichtigsten Bildhauer seiner Zeit und prägte maßgeblich die Entwicklung der englischen Bildhauerei im Kontext des europäischen Barock. Seine Zusammenarbeit mit Grinling Gibbons und sein außergewöhnliches Können trugen dazu bei, dass seine Werke bis heute eine hohe künstlerische Bedeutung haben und weiterhin von Kunsthistorikern und Publikum gefeiert werden.
