Künstler/in
Geboren in Lubawka, Polen
Frühe Jahre und Ausbildung
Otto Müller, ein deutscher Maler und Grafiker, wurde am 16. Oktober 1874 in Liebau (heute Lubawka, Kamienna Góra County), Kreis Landeshut, Schlesien, Polen geboren. Zwischen 1890 und 1892 absolvierte er eine Ausbildung im Lithographie in Görlitz und Breslau. Von 1894 bis 1896 studierte Müller an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden und setzte seine Studien ab 1898 in München fort.
Künstlerische Entwicklung und Expressionismus
Müllers frühe Werke waren von Impressionismus, Jugendstil und Symbolismus beeinflusst. Nach seinem Umzug nach Berlin im Jahr 1908 entwickelte sich sein Stil jedoch hin zum Expressionismus. In dieser Zeit stand er in Kontakt mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Wilhelm Lehmbruck, Rainer Maria Rilke und Erich Heckel. Im Jahr 1910 trat Müller der in Dresden ansässigen Gruppe 'Die Brücke' bei, ein entscheidender Moment auf seinem expressionistischen Weg.
Wichtige Werke und Stil
Müllers Gemälde zeigten oft die Einheit von Mensch und Natur, gekennzeichnet durch eine harmonische Vereinfachung von Form, Farbe und Konturen. Zu seinen bemerkenswertesten Werken zählen:
Von Der Sternennacht-inspirierten Landschaftsbilder
Ausdrucksstarke Nacktstudien und Romani (Zigeuner) Frauen, was ihm den Spitznamen "Zigeunermüller" einbrachte
Die Verwendung von Tempera auf grobem Leinwandstoff für eine matte Oberfläche
Ein produktiver Grafiker mit fast allen seinen Drucken als Lithographien, zusammen mit einigen Holzschnitten und Radierungen
Leben und Wirken
Otto Müller wurde als Sohn des Leutnants und späteren Steuerbeamten Julian Mueller und seiner Ehefrau Marie Maywald im damals preußischen Schlesien geboren. Er hatte fünf Schwestern und einen Bruder, Max, der bereits mit vier Jahren starb. Seine Jugendjahre verbrachte er in Görlitz. Das Gymnasium musste er ohne Abschluss verlassen. Von 1890 bis 1894 absolvierte er auf Wunsch seines Vaters eine Lithografenlehre, daran schloss sich bis 1896 ein Studium an der Kunstakademie von Dresden an, für das er eine Sondergenehmigung erhalten hatte. Dort kam es bald zu Differenzen mit seinem Lehrer Hermann Freye, da er dessen Korrekturen nicht dulden wollte. 1898 ging er mit seinem Malerfreund Paul Kother nach München, um an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste sein Studium der Malerei fortzusetzen. Doch obschon der 1895 als Professor an die Akademie berufene Franz von Stuck bereit war, ihn anzunehmen, ließ Mueller sein Vorhaben schon nach der ersten Korrektur aus ungeklärten Gründen fallen. Stattdessen beschloss er, fortan die Malerei im Selbststudium zu betreiben, wobei ihn insbesondere die Werke von Hans von Marées und Arnold Böcklin anzogen. Im Jahr 1905 heiratete er Maria („Maschka“) Meyerhofer, die er im Herbst 1899 auf einem Klubabend der Elbier kennengelernt hatte und mit der er 1901 einen Sohn, Eugen, bekam, der aber bis zum zwölften Lebensjahr bei ihrer Schwester aufwuchs. Maschka stand ihm, wie auch seine späteren Partnerinnen, oft Modell. Im Jahr 1908 zog er nach Berlin. Sein Vorbild wurden Plastiken von Wilhelm Lehmbruck, mit dem ihn eine Freundschaft verband; seit 1908 malte er die schlanken Mädchengestalten, die für ihn charakteristisch sind, wie auch die Leimfarben, die er mit Vorliebe für seine Werke nutzte. Er versuchte vergeblich, sich der Berliner Secession anzuschließen, und 1910 gründete er mit anderen abgewiesenen Künstlern die Gruppe Neue Secession, die im Mai eine Ausstellung zeigte unter dem Motto „Zurückgewiesene der Secession Berlin 1910“. Darüber kam er mit Mitgliedern der Brücke in Kontakt und arbeitete von 1910 bis zu ihrer Auflösung im Mai 1913 in dieser Künstlergemeinschaft mit. Der in seinem Stil den anderen Brücke-Künstlern sehr ähnliche Mueller bevorzugte eine gedämpfte Farbgebung von lyrisch-dekorativer Wirkung. Während des Ersten Weltkriegs wurde Müller im Juli 1916 zum Landsturm eingezogen und nahm als Soldat der Infanterie an Kämpfen in Frankreich und Russland teil. Im Frühjahr 1917 zog er sich eine Lungenentzündung zu, die ihn fast das Leben gekostet hätte. Seine Genesung im Lazarett im Kamillianerkloster im rheinischen Neuss nahm zwei Monate in Anspruch. Seit 1919 war Müller Professor an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau.
Nachwirkung und Vermächtnis
Im Jahr 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten 357 seiner Werke aus deutschen Museen und erklärten sie als "entartete Kunst". Müller starb am 24. September 1930 in Obernigk, Landkreis Trebnitz, Provinz Niederschlesien.
Museum
Ausgestellt in Essen, Deutschland
Ursprung und Geschichte des Museum Folkwang
Die Geschichte des Museum Folkwang beginnt mit dem Zusammenfluss zweier ganz unterschiedlicher Vermächtnisse. Im Jahr 1902 gründete Karl Ernst Osthaus das private Folkwang Museum – eine Sammlung, die von einer ganz eigenen Vision für den modernen Ausdruck getrieben wurde. Später kam das 1906 gegründete Essener Kunstmuseum hinzu. Im Jahr 1922 verschmolzen diese beiden Institutionen zu jener Einrichtung, die heute in Essen existiert. Diese Vereinigung schuf eine bedeutende Sammlung, die sich den künstlerischen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts widmet.
Schon der Name selbst trägt eine tiefe, antike Bedeutung in sich. Er leitet sich vom Konzept des Fólkvangr ab, der Weide der Toten in der nordischen Mythologie, die von der Göttin Freyja überwacht wird. Diese Verbindung zu Themen wie Leben und Erinnern bildet eine stille, meditative Kulisse für die Werke, die in den Hallen der Institution zu Hause sind. Seit langem fungiert das Museum als ein Ort, an dem die Evolution der modernen Kunst in ihrer physischen Präsenz greifbar wird.
Das Fundament der Institution wurde durch das Streben privater Sammler und die wechselhaften Strömungen der Geschichte gelegt. Durch die Zusammenführung des Essener Kunstmuseums und des Folkwang Museums wurde der Ort zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Erforschung künstlerischer Epochenwechsel. Bis heute bleibt es ein bedeutendes Refugium für all jene, die sich für den Fortschritt der Moderne über die Jahrhunderte hinweg interessieren.
Das Gebäude und seine Architektur
Die architektonische Präsenz des Museum Folkwang wird durch einen Dialog zwischen den Epochen definiert. Das ursprüngliche Gebäude, das im Jahr 1902 errichtet wurde, bildet das historische Fundament der Institution. Dieser ältere Bau wurde durch einen bedeutenden Erweiterungsbau, entworfen von David Chipperfield Architects, auf achtsame Weise ergänzt. Dieser Anbau, der im Januar 2010 eröffnet wurde, vergrößerte die bestehende Museumsfläche um 16.000 Quadratmeter.
Der Erweiterungsbau zeichnet sich durch eine transluzente Fassade aus, die aus recycelten Glasscheiben besteht. Diese Materialwahl ermöglicht es dem Gebäude, mit dem wechselnden natürlichen Licht in Essen zu interagieren. Das Design schafft ein Gefühl der Offenheit und integriert den modernen Baukörper harmonisch in die historische Architektur. Das Zusammenspiel von Beton und Glas stellt sicher, dass sich die neuen Räumlichkeiten mit dem ursprünglichen Standort verbunden fühlen, während sie gleichzeitig die notwendige Dimension für zeitgenössische Ausstellungsanforderungen bieten.
Bedeutende Sammlungen und Fachbereiche
Die Bestände des Museum Folkwang umfassen eine beeindruckende Bandbreite der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese Sammlung zeichnet die Evolution des modernen Ausdrucks durch verschiedenste Medien nach, einschließlich einer umfangreichen Auswahl an Drucken und Zeichnungen. Über diese europäischen Traditionen hinaus bewahrt die Institution eine Sammlung antiker und nicht-europäischer Kunst, die eine weitreichendere Perspektive auf die menschliche Kreativität über verschiedene Epochen und Geografien hinweg eröffnet.
Ein wesentlicher Teil der Identität des Museums liegt in seinen spezialisierten Fachbereichen. Die Fotosammlung ist auf über 50.000 Fotografien angewachsen, die die visuelle Kultur durch eine enorme Vielfalt an Objektiven und Techniken dokumentieren. Flankiert wird dies vom Deutschen Plakat Museum, das etwa 340.000 Plakate beherbergt. Diese grafischen Werke bieten eine visuelle Chronik des politischen Diskurses, wirtschaftlicher Umbrüche und kultureller Sensibilitäten – von der Weimarer Republik bis hin zum Kalten Krieg.
Deutsches Plakat Museum: etwa 340.000 Plakate
Fotosammlung: mehr als 50.000 Fotografien
Meisterwerke der Sammlung
Vor der Frau vor untergehender Sonne zu stehen bedeutet, der Stille des Jahres 1818 zu begegnen. Das Werk von Caspar David Friedrich besitzt eine Ruhe, die eine gewisse Geduld fordert. Ganz in der Nähe wird die schwere, rhythmische Arbeit des Jahres 1888 in Vincent Willem Van Gogh’s Quay with Men Unloading Sand Barges festgehalten. Der Pinselstrich trägt hier ein physisches Gewicht, ein Gefühl von Bewegung und industrieller Dynamik, das selbst in seiner Reglosigkeit spürbar bleibt.
Die Sammlung wandert von diesen kontemplativen Landschaften hin zur strukturierten Intensität von Paul Cézanne. Sein Werk La carrière de Bibémus bietet eine Studie über Form und geologische Präsenz. Dieser Fokus auf die Struktur findet in den Werken der deutschen Expressionisten eine andere, rastlosere Energie wieder. Ernst Ludwig Kirchner’s Leaping Dancer fängt eine ganz spezifische, nervöse Vitalität ein, die den Wandel der Ära hin zur emotionalen Unmittelbarkeit definiert.
Auch in den Werken von Eugène Henri Paul Gauguin findet sich ein tiefes Gefühl des Urwüchsigen. Sein um 1902 entstandenes Werk Contes Barbares stellt eine Abkehr vom Naturalismus der vorangegangenen Jahrzehnte dar. Die Präsenz dieser Arbeiten entfacht einen Dialog zwischen der Beobachtung der Außenwelt und dem Ausdruck innerer Zustände.
Die Ära des Nationalsozialismus und die Kunstpurgen
Die Geschichte der Institution ist von einem tiefgreifenden Bruch gezeichnet, der durch den Aufstieg des Nationalsozialismus verursacht wurde. In dieser Zeit setzte das Regime eine systematische Säuberung von Werken durch, die als „entartete Kunst“ kategorisiert wurden. Diese Kampagne richtete sich gegen verschiedenste Strömungen, darunter die Abstraktion, den Kubismus, den Expressionismus, den Surrealismus und den Impressionismus. Im Jahr 1937 wurde von Joseph Goebbels eine Ausstellung organisiert, um jene Werke zur Schau zu stellen, die von der Regierung als inakzeptabel eingestuft worden waren. Die Sammlung des Museums war von diesen politischen Umwälzungen unmittelbar betroffen, was zur Entfernung von über 1.200 Kunstwerken aus seinem Bestand führte.
Der Verlust dieser Stücke stellt eine bedeutende Leere in der Geschichte des Museums dar. Zu den Künstlern, deren Werke der Sammlung entzogen wurden, gehörten Georges Braque, Paul Cézanne, Giorgio de Chirico, Henri-Edmond Cross, André Derain, Henri Matisse und Edvard Munch. Über die Entfernung dieser spezifischen Stücke hinaus war das Ausmaß der Zerstörung immens. Die Nazi-Regierung verbrannte schätzungsweise 5.000 Kunstwerke, die als unverkäuflich galten. Diese Ära bleibt ein schweres Kapitel in der Erzählung des Museums und markiert eine Zeit, in der der künstlerische Ausdruck durch die Staatsideologie unterdrückt wurde.