Porträt eines Argentiniers

- 126.0 x 84.0cm
Max Beckmann (1884 – 1950)
Als Schlüsselfigur des deutschen Expressionismus schuf Max Beckmann das ikonische Die Nacht. Entdecken Sie heute seine kraftvolle Kunst.
Bayerische Staatsgemäldesammlungen (München, Deutschland)
Entdecken Sie europäische Meisterwerke in München. Erleben Sie die Seele bayerischer Kunst noch heute.
Eine Studie in Schatten und Form
Eine sitzende männliche Figur dominiert diese vertikale Komposition, leicht außermittig platziert in formeller Abendgarderobe. Er trägt ein schwarzes Smokingjackett über einer weißen Weste und eine schwarze Fliege; seine Haltung ist aufrecht und doch entspannt. Eine Hand ruht in seinem Schoß und hält eine brennende Zigarette, von der ein feiner Rauchfaden aufsteigt. Die Haut des Subjekts wirkt blass, fast geisterhaft, vor einem gedämpften, ockergelben Hintergrund. Dicke, entschlossene Linien definieren die Konturen des Gesichts und die schweren Falten der Kleidung, wodurch ein Gefühl von physischer Schwere entsteht. Die Beleuchtung ist gerichtet, wirft weiche Schatten über eine Seite des Gesichts und schafft einen scharfen Kontrast zum weißen Hemd.
Das Werk nutzt einen starken Impasto-Auftrag, um Tiefe innerhalb der Ölmalerei auf Leinwand zu erzeugen. Expressive, malerische Pinselstriche verleihen der Haut und dem Stoff eine taktile, raue Qualität. Die Farbpalette beschränkt sich auf dunkle, schwere Töne – Schwarz und tiefe Brauntöne –, die den stoischen und melancholischen Ausdruck des Subjekts betonen. Dieser Ansatz deutet auf ein Gefühl der Isolation oder intensiver Introspektion hin.
Deutscher Expressionismus und die moderne Verfassung
Dieses 1929 entstandene Porträt spiegelt die stilistischen Verschiebungen wider, die die deutsche Kunst in der Zwischenkriegszeit prägten. Das Werk ist durch den kühnen, expressiven Stil des deutschen Expressionismus gekennzeichnet, der sich von akademischer Präzision hin zu verzerrten Figuren und Räumen bewegt. Solche Verzerrungen spiegelten oft eine veränderte Sicht auf die Menschheit nach dem Trauma des Ersten Weltkriegs wider. Der Blick des Subjekts ist direkt und auf Augenhöhe, was eine intime und doch psychologisch distanzierte Verbindung zum Betrachter herstellt.
Die Spannung der Komposition wird durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten verstärkt. Die schweren, dunklen Töne und das sombere Auftreten des Dargestellten tragen zu einer psychologischen Tiefe bei, die für die Porträtmalerei des frühen 20. Jahrhunderts typisch ist. Durch diese formalen Entscheidungen fängt das Gemälde einen Moment stiller, schwerer Präsenz ein.
Über dieses Kunstwerk
- Titel: Porträt eines Argentiniers
- Künstler: Max Beckmann
- Jahr: 1929
- Originalmaße: 126.0 x 84.0cm
- Format: Hochformat
- Urheberrechtlicher Status: Gemeinfreiheit
- Ausstellung/Standort: Bayerische Staatsgemäldesammlungen
- Epoche: Moderne
- Medium: Wandkunst
- Inventarnummer: 14375
Eckdaten
- Title: Porträt eines Argentiniers
- Artistic style: Deutscher Expressionismus
- Notable elements or techniques: Starker Impasto, dicke Linien, hoher Kontrast
- Medium: Öl auf Leinwand
- Year: 1929
- Movement: Deutscher Expressionismus